Pastoraler Zukunftsweg

27. Jan 2020
Alfons Holländer

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn!

Der pastorale Zukunftsweg unseres Erzbistums wird auch im Windecker Ländchen seinen Einzug halten. 

Was wird sich da tun, was kommt da auf uns zu? Wie geht es weiter? So oder so ähnlich wurde ich schon öfters gefragt. Um ihnen darauf eine Antwort geben zu können, lade ich sie ein in die Ursprünge der jungen und entstehenden Kirche zu schauen. Jesus berief damals seine Jünger ihm nachzufolgen, Doch:

Warum sind Fischer wie Simon und Andreas, Jakobus und Johannes die Ersten, die Jesus auf seinen Weg mitnimmt? 

Warum sucht Jesus einen Fischer wie Petrus aus, um ihm die Leitung der Kirche anzuvertrauen? Einfache Leute, kein Theologiestudium, ohne Rang und Namen. 

Eine denkbare Antwort kommt mir in den Sinn: Wer sich zu Land bewegt, baut eine Straße und asphaltiert sie. Dann wird er immer wieder diesen Weg benutzen. Ein Fischer aber sucht die Fische dort, wo sie sind. Deshalb sucht er jeden Tag einen neuen Weg. Ihm kommt es darauf an die Fische ausfindig zu machen. - Es kann ja sein, dass der Weg von gestern nicht zu den Fischen von heute passt.

Könnte man da nicht von der Weisheit der Fischer sprechen:

  • das Gespür für die Dynamik, die Veränderlichkeit des Lebens
  • die Skepsis gegenüber festgelegten Routen und ausgetretenen Pfaden
  • das Fingerspitzengefühl für neue Möglichkeiten und Wege 
  • die Sensibilität dafür: wie viel an Veränderungen und neue Wege ich den Menschen zumuten kann

Wenn ich die Evangelien, die Apostelgeschichte und die Briefe des Paulus lese, dann habe ich den Eindruck:

  • damals als Petrus und seine Fischerfreunde mit Jesus unterwegs waren
  • damals als die ersten Christen in die Städte und Dörfer gegangen sind, und von Jesus erzählten

Ja – damals war wirklich etwas lebendig vom Geist und von der Weisheit der Fischer.

Schauen wir auf das sogenannte Apostelkonzil in Jerusalem. 

Eine Gruppe von gläubig gewordenen Pharisäern fordert: Alle Heiden, die sich zu Christus bekehren, müssen zuerst beschnitten und auf das Gesetz des Mose verpflichtet werden. Da steht der Fischer Petrus auf und sagt: Gott selbst hat doch schon längst einen Zugang zu den Herzen der Heiden gefunden. Er hat sie genau wie uns begeistert von der Frohen Botschaft. Warum sollen wir ihnen Hindernisse in den Weg legen? Und sie entscheiden sich für einen neuen Weg – ohne Umweg mit Auferlegung der jüdischen Gesetze, um die Heiden zu Christus zu führen. 

Ich denke an die Wahl der sieben Diakone. Die Apostel und Jünger sehen, dass in den Gemeinden die Witwen vernachlässigt werden. Sie beraten das Problem und stellen fest, dass die bisherigen Strukturen der Seelsorge nicht mehr ausreichen. Deshalb richten sie ein neues Amt ein – das des Diakons. Sieben fähige Männer werden für diesen Dienst ausgewählt und beauftragt.

Die Weisheit der Fischer hilft, die asphaltierten Straßen aller Strukturen zu verlassen und neue Wege zu suchen, die dem Gemeindeleben wieder Ausstrahlung und Glaubwürdigkeit verleihen.

Kann es nicht sein, dass der Weg von gestern nicht zu den Fischen von heute führt?

Wenn ich unsere Kirche mit ihren Seelsorgern anschaue, dann könnten wir von der Weisheit der Fischer gerade heute lernen: Neue Wege müssen wir gehen, um die Menschen zu erreichen.

Hierbei dürfen wir nicht an Fragen hängen bleiben, das kennen wir nicht, das wollen wir nicht, fort damit, oder bekomme ich zu meinem Wunschtermin die Beerdigung, … Beschäftigen wir uns viel mehr mit der Frage:

  • Wie gelingt es die Tür zur Kirche zu öffnen, für Menschen, die sich enttäuscht abgewandt haben oder sich nicht trauen zu kommen, weil…?

Oder: 

  • Wie gelingt es, in unseren Kindern und Enkeln den Glauben lebendig zu halten bzw. weiterzugeben? 

Ich selbst, gleich ob Eltern, Großeltern, Gemeindemitglied, wie auch immer, bin gefordert aktiv zu werden und nicht nur die Pfarrer, Seelsorger und Religionslehrer.

Denn es darf uns nicht nur um die Christen gehen, die im Bilde gesprochen – schon im Aquarium sind.

Was wir brauchen ist eine Kirche, die als Ganzes von der Weisheit der Fischer geprägt ist:

  • Die bereit ist sich auf Neues einzulassen und es zulässt, die nicht ängstlich und krampfhaft an allem festhält, was früher einmal gut und richtig war.
  • Eine Kirche, die die Menschen dort sucht, wo sie jetzt sind, die sie so annimmt wie sie sind, und nicht den moralischen Zeigefinger erhebt. 
  • Die ihnen auf Augenhöhe begegnet, sie ernst nimmt und mitentscheiden lässt.
  • Die Freude ausstrahlt und nicht ein Gesicht wie bei einer Beerdigung macht.
  • Die sich nachhaltig gegen Machtmissbrauch und Klerikalismus stellt. 
  • Die quasi „in den Schuhen des Fischers“ zu ihnen unterwegs ist.

Schauen sie: Ist das nicht die Sehnsucht der Menschen – Sie schauen erwartungsvoll nach Rom, welche neue Wege unser Papst Franziskus geht bzw. zulässt. ZB: Die Öffnung zu den anderen Konfessionen, der Umgang mit Frauen oder mit Wiederverheirateten, Laien in der Kirche, …

In unseren Pfarreien in Windeck brauchen wir Christinnen und Christen, die nicht bei Frage stehen bleiben: 

Ist das noch unsere Kirche? – Sondern,

  • die neue Zugänge zur frohen Botschaft Jesu suchen
  • die ihrem Glauben, ihrer Spiritualität ein eigenes Profil geben, durch Bibelarbeit, durch Gespräche über den Glauben, durch Gebete und die Mitfeier von Gottesdiensten
  • die ihren eigenen Talenten nachspüren, und diese zum Aufbau der Gemeinde hilfreich einsetzen.

Ihr Alfons Holländer