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Mystisches Indien „hautnah“ erleben - Eine Reise voller Abenteuer

Indien 2026 - Taj Mahal.jpeg
Datum:
23. Feb. 2026
Von:
Anjana Risch

56 Mio. Deutsche verreisen jedes Jahr, aber Indien gehört sehr selten zu den Reisezielen. Aus diesem Grunde weiß man sehr wenig über Land, Kultur & Leute. Mit der Erfahrung der indischen Priester im Erzbistum Köln ist es umso schöner, dass Pater Justin aus dem Seelsorgebereich Hennef-Ost vom 20.01. bis 03.02.2026 eine Reise in seine Heimat angeboten hat. In Kooperation mit dem Reisebüro IPR aus München sollte in 15 Tagen eines der größten Länder der Welt (9x größer als Deutschland) im Norden und Sudwesten bereist werden.

Für 16 Reiselustige aus Asbach, Hennef & Windeck ging es ab Flughafen Düsseldorf zunãchst in den Norden des Landes, nach Neu-Delhi. Im Hotel angekommen, erfuhren unsere Gaumen ein erstes Abtasten der indischen Schärfe am Hotel-Buffet. Am nächsten Morgen ging es in das Stadtzentrum, um einige der Religionen in Indien kennen zu lernen. Wir hatten Gelegenheit, einen Sikh-Tempel & einen Hindu-Tempel zu besichtigen. In beiden wurden wir von der Ruhe und Ehrfurcht vor geheiligten Orten berührt. Im Gegensatz zum hektischen Straßenverkehr Delhis erfuhren wir Entschleunigung, konnten Gedanken an alles „Überflüssige“ ablegen. Für Handy & unsere Schuhe gab es vor dem Tempel eine Sammelstelle. Besonders beeindruckend war im Sikh-Tempel der angeschlossene Speisesaal, in dem jeden Tag mehrere tausend Personen willkommen geheißen werden, um für den Tag eine kostenlose Mahlzeit zu erhalten. Wir  durften bei einem Rundgang – natürlich barfuß - in der Großküche beobachten, wie Ehrenamtler Speisen zubereiteten und die Zutaten von den Gemeindemitgliedern als „Opfergabe“ gespendet und gelagert werden. An dieser Stelle konnten wir zum ersten Mal von unserem Guide Sultan persönliche Bekenntnisse aus seinem Sikh-Glauben erfahren. 

Die Masse des bevölkerungsreichsten Landes der Erde (1,4 Mrd. Menschen) wurde zum ersten Mal auf den Straßen deutlich, als wir per Spaziergang von einer Stelle zu anderer gegangen sind. Elektroleitungen, die teils abenteuerlich in der Luft hängen, dienen zugleich Affen als Klettervorrichtung, um sich schnellen Fußes fortzubewegen. Die schnellste Form der Fortbewegung stellt dort das „Tuk-Tuk“ dar, mit dem wir im  „chaotischen“ Verkehrsgewimmel Delhis viel Zeit sparen konnten und ganz nebenbei Abenteuer auf drei Rädern erlebt haben. Beeindruckt hat uns in dem Gewimmel, wie einer auf den anderen achtet und welche Millimeter-Arbeit bei jedem bisschen Vorrücken - Blech an Blech - vollzogen wird. Hupen wird lediglich als Warnung angesehen und bildet die massive charakteristische Geräuschkulisse Delhis. So bekommt jeder schon als Kind „mit der Muttermilch die Fahrweise eingepflanzt“, wie unser Guide betonte. Der Straßenhandel wird von den Händlern an nahezu jeder Ecke betrieben, in der Hoffnung, die Produkte jeden Tage meistbietend zu verkaufen. Auch kommen wir zum ersten Mal mit Armut & Müll in Berührung, eine drastische Erfahrung. Obwohl glücklicherweise jedes Kind das Recht auf einen Schulbesuch hat, gibt es Eltern, die aufgrund ihrer Armut, die Kinder auf die Straße zum Betteln schicken. Wer hier keine Arbeit findet, erhält von der Gemeinde eine gemeinnützige Arbeit für 100 Tagen mit Tagelohn. Im Anschluss an diesen Zeitraum, ist die Person auf die Unterstützung durch die Familie angewiesen.

Wir  bekamen Einblicke in die lange Historie Indiens und konnten erleben, wie das Wirken Mahatma Gandhis in der Bevölkerung bis zum heutigen Tag an der Gedenkstätte „Raj Ghat“ und auch bildlich auf den Geldscheinen  der Währung „Rupie“ tief verehrt wird. Ghandhi war Rechtsanwalt und Publizist, der sich im Verlauf des 20. Jhd. als Anführer der Unabhängigkeitsbewegung gewaltlos für eine Loslösung Indiens von Großbritannien einsetzte.

Auch architektonisch bietet Indien beeindruckende Bauwerke. Davon konnten wir uns sowohl bei der Besichtigung des sehr modernen „Lotus Tempel“ als auch bei der Führung durch die riesige Festung „Fort Agra“ überzeugen, deren Ausmaß erst zu fassen ist, wenn man deren Areal selbst besichtigt hat. 

Was aber in der ganzen Welt Bekanntheit erworben hat, ist das „Taj Mahal“, das ein Kaiser seiner verstorbenen Ehefrau (Tod bei der Geburt des 14. Kindes) im 17. Jhd. als Mausoleum erbaut hat. Sowohl die Größe als auch die zeitlose kunstvolle Schönheit des Bauwerkes haben uns fasziniert. Vorbereitet auf die Geschichte des Monuments wurden wir durch ein Schauspiel der Liebesgeschichte am Vorabend. 

Nachdem  wir eine Marmor--Manufaktur besucht hatten , in der aufgezeigt wurde, in welcher mühseligen Handarbeit Marmor-Intarsien geschliffen und später zusammen gesetzt werden, konnten wir die Intarsienarbeiten im Marmor des Taj Mahal erst richtig würdigen. 
Nach diesen ersten Erlebnissen ging es nach Jaipur, um per Elefant die Festung „Amber Fort“ mit tollem Ausblick zu erobern. Mittels  Jeeps ging es  wieder zurück zum Bus-Parkplatz. Auch hier zeigte sich an einigen Stellen absolute Millimeter-Arbeit, weil die geringe Straßenbreite die Begegnung von zwei Bussen beinahe unmöglich machte. Während die Straßen so eng sind, wurde dafür umso üppiger gebaut, was bei dem Stadtpalast über mehrere Hektar im Stadtzentrum deutlich wird, der erfreulicherweise zum Teil immer noch von der Fürstenfamilie bewohnt wird. 

Indiens Bevölkerung ist geprägt vom Kastensystem, bei dem es vier unterschiedliche Kategorien gibt, die bei einer Heirat strikt beachtet werden müssen. Im Übrigen werden heute noch Hochzeiten i. d. R. von den Eltern arrangiert. Wir konnten im dortigen Observatorium die größte Sonnenuhr der Welt bewundern und erfuhren, dass die Astrologie (Horoskop + Attribute) eine große Bedeutung für Berufswahl oder die Verbindung von Paaren hat. Die geringe Scheidungsquote von 2 % scheint der indischen Gesellschaft Recht zu geben, obwohl es aufgrund des gesellschaftlichen Drucks einige „schwarze Schafe“ geben wird. Den Abschluss des Tages stellte eine eigene Heilige Messe in syro-malabarischem Ritus mit Besuch des Bischofs von Kothamangalam dar. Die Herzlichkeit, mit der der Bischof „seinen“ Kaplan Justin und uns als Pilgergruppe empfing, zeigte die Freude über die Verbindung der indischen katholischen Kirche mit ihren 120 Priestern alleine im Erzbistum Köln. Wir wurden  mit einem köstlichen Mittagessen verwöhnt. In ganz Deutschland sind über 900 indische Priester in der Seelsorge tätig.

Damit ist die erste sehr aufregende Woche zu Ende gegangen und wir haben uns auf einen Inlandsflug begeben, mit dem wir in gut vier Stunden in den Süden des Landes in das Bundesland Kerala gereist sind. 

Die spannenden Gegensätze zum Norden Indiens fielen uns ins Auge: geordnete Straßen, kaum Hupen, überall viel Grün mit Palmen wie in der Karibik, Wasserkanäle wie in Venedig und an jeder Ecke eine christliche Kirche. Im Gegensatz zum Norden gehören hier die Christen zur Mehrheit mit weit über 40 % der Bevölkerung. Kaum hier angekommen, stieg die Vorfreude bei Pater Justin auf die vielen Begegnungen mit Freunden und Bekannten in seiner Heimat. Die Bevölkerung in Kerala ist wohlhabender als im Norden, was an den jüngeren und weit mehr westlichen Fahrzeugen erkennbar wird. 

Wir konnten den „Mattancher Palace“ besichtigen, in dem Geschichte der Eroberer sehr gut dokumentiert ist. Auch die „Cochi Paradesi Synagoge“ war beeindruckendes Zeitzeugnis der  jüdischen Glaubensgemeinschaft und Religionsvielfalt des Landes. Angekommen im Süden, so waren wir auch das erste Mal am Strand zu einem Sonnenuntergang. Ein Moment Hochsommer mitten im Januar! Am nächsten Morgen führte unser Weg in das Eco Tourismus Feriendorf in Kumbalangi, in dem sämtliche Bestandteile einer  Kokos-Palme durch traditionelles Handwerk nachhaltig verarbeitet werden.  Im Gegensatz zu der Wegwerfkultur im Norden konnten wir ein  deutlich saubereres Straßenbild vorfinden.

Auf vielen Dächern bemerkten wir PV-Module, die neben Wasserkraft für die Erzeugung von Energie zuständig sind. Spannend ist übrigens, dass die indische Bevölkerung seitens ihrer Regierung ein tägliches Recht auf Wasser, Brot und Energie zugesprochen wird. Kinder tragen in der Schule Uniformen und der Krankenhausbesuch ist für jeden Bürger kostenfrei. Die Nachhaltigkeit des Südens stellt sich auch in der deutlich verbesserten Wasserqualität und der malerisch-grünen  Landschaft dar. Aus diesem Grunde zieht es viele Paare für die Flitterwochen in diese Region. Ob am feinen Sandstrand oder in den grünen Bergen von Munnar, in denen zumeist in endlosen Plantagen Tee angebaut wird und wo viele Teesorten und auch der englische Brauch des Teetrinkens seinen Ursprung findet. Uns haben die vielen persönlichen Begegnungen sehr berührt. 

So hat Justin uns das Priesterseminar vorgestellt, zugleich einer seiner Ausbildungsorte, in dem wir erneut sehr herzlich aufgenommen wurden und uns bei einem Rundgang das Leben der Seminaristen sehr bildlich dargestellt wurde. Das absolute Highlight war aber der Besuch von Justin’s Elternhaus, dessen Eltern und Familie uns sehr herzlich empfangen haben  und wir Justin‘s Stolz spürten, uns als Gäste zum Mittagessen begrüßen zu dürfen. Auch ist Justin‘s Mentor nach  der gemeinsamen Messe am Morgen in der Wallfahrtskirche der Heiligen Alphonsa mitgekommen und hat von seinem örtlichen Wirken berichtet. Tatsächlich jagte bei der Reise ein Highlight das nächste, mit traditioneller Kerala-Massage, einer Jeep-Tour durch die Tee-Plantage, einer Bootstour durch die Kanäle der Backwaters oder aber auch das Kennenlernen der  unterschiedlichen Gewürze, die uns die Natur geschenkt hat. Alle Erlebnisse haben uns während der Reise bereichert. Aber wie man so schön sagt, das Beste kommt bekanntlich zum Schluss: so haben wir an einem der letzten Ziele, am Vembanad-See unweit des Arabischen Meeres in einem sonnigen Palmen Resort mit vielen Aktivitäten und Swimmingpool eingecheckt. Jeder Wunsch wurde uns  von den Lippen abgelesen, so dass wir sogar die Ayurvedische Massageheilkunst in knapp 1,5 Tagen Freizeit  genießen konnten. 

Nun ist die Reise zu Ende und es stellt sich die Frage, was man aus dieser absolut gelungenen Reise mitnehmen kann? Als erstes können wir einfach nur glücklich sein, über die tollen und vor allem persönlichen Begegnungen, die uns unser Reiseleiter Sultan und vor allem Kaplan Justin ermöglicht haben. Wir wurden von der indischen Freude am Leben angesteckt und der Gelassenheit, Respekt und Spiritualität berührt, mit der die Menschen ihr Leben meistern.

Diese Reise hat unsere Neugierde auf die Entdeckung einer ursprünglich fremden Kultur geweckt, so dass wir uns  täglich auf’s Neue haben überraschen lassen können. Wir reisen mit großer Dankbarkeit („shukriya“) und Erfüllung zurück & freuen uns auf die nächste Reise mit Pater Justin … 

Für die Reiselustigen,
Martin Trójca